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FIFAs Prognosemarkt-Partner meldete 167 Millionen Dollar Handelsvolumen. Forscher bezweifeln 108 Millionen davon

FIFAs Prognosemarkt-Partner meldete 167 Millionen Dollar Handelsvolumen. Forscher bezweifeln 108 Millionen davon

Im April 2026 ernannte die FIFA ADI Predictstreet zum ersten offiziellen Partner in der Kategorie Prognosemärkte. In der Ankündigung versprach sie ausdrücklich transparenten Handel, Teilnehmerschutz und die Echtzeitüberwachung verdächtiger Aktivitäten.

Nun steht die Handelsaktivität der Plattform selbst im Mittelpunkt.

Laut einer Untersuchung des Wall Street Journal ergab die Analyse öffentlicher Blockchain-Daten, dass rund 108 Millionen der insgesamt 167 Millionen Dollar Handelsvolumen bis Ende September auf Krypto-Wallets entfielen, die miteinander und mit der Infrastruktur der Plattform verbunden zu sein schienen.

Das ist ein erheblicher Anteil. Die Analyse zeigt jedoch zunächst eine ungewöhnliche Handelsstruktur; sie beweist nicht, dass das Unternehmen jede Transaktion organisiert oder Nutzer bewusst getäuscht hat.

Das Gesamtvolumen ist für einen Prognosemarkt nicht besonders groß, vor allem im Vergleich zu den führenden Plattformen und den gemeldeten Kosten der FIFA-Partnerschaft. Außerdem entspricht das Handelsvolumen nicht dem eingezahlten Kapital: Dieselben Mittel können bei wiederholten Transaktionen mehrfach gezählt werden.

Was die Forscher fanden

Die öffentlichen Daten wurden von den drei Harvard-Studenten Joshua Gupta, William Thompson und Ashwin Vinod Kumar untersucht. Das WSJ legte ihre Analyse zusätzlich Fachleuten für auffällige Aktivitäten auf Kryptomärkten vor.

KennzahlWert
Untersuchtes Handelsvolumen insgesamt167 Mio. $
Volumen verbundener Walletsetwa 108 Mio. $
Wallets in einer besonders aktiven verbundenen Gruppe795
Gemeldeter Wert der FIFA-Partnerschaftmehr als 150 Mio. $

Seit Ende August lief laut Analyse nahezu die gesamte Aktivität über ein kleines Netz verbundener Konten. 795 Wallets, die aus einer Quelle finanziert wurden, erzeugten rund 99 % der Handelsaktivität im betrachteten Zeitraum.

Diese Wallets handelten fast ausschließlich miteinander. Ihre Finanzierungsquelle war mit einer Wallet verbunden, die Handelsgebühren der Plattform vereinnahmte.

Die zentrale Frage lautet daher: Stand hinter dem Volumen unabhängige Nachfrage vieler Teilnehmer oder zirkulierte ein großer Teil des Geldes innerhalb eines verbundenen Netzes?

Was zirkulärer Handel bedeutet

Auf einem aktiven Markt handeln normalerweise viele unabhängige Teilnehmer miteinander. Beim zirkulären Handel wandert ein Vermögenswert wiederholt zwischen verbundenen Konten. Die wirtschaftliche Position der Gruppe ändert sich kaum, doch jede Transaktion erhöht das sichtbare Volumen.

So kann ein Markt nach vielen Nutzern, hoher Liquidität und schneller Akzeptanz aussehen. Hohes Volumen bedeutet jedoch nicht, dass ein Kunde eine große Order zum angezeigten Preis ausführen kann. Aussagekräftiger sind Orderbuchtiefe, Spread, unabhängige Gegenparteien und ein Volumen, das auch ohne Anreize bestehen bleibt.

Warum die Herkunft der Mittel wichtig ist

Verbundene Wallets sind nicht automatisch ein Beleg für Fehlverhalten. Market Maker können mehrere Adressen für Liquidität, Risiko und technische Abläufe einsetzen; Plattformen können offen Liquiditätsprogramme finanzieren.

Hier kamen jedoch mehrere Merkmale zusammen:

  • Finanzierung aus einer gemeinsamen Quelle;
  • fast ausschließlicher Handel untereinander;
  • Erzeugung des größten Teils des Volumens;
  • Verbindung der Finanzierungsquelle zur Gebühren-Wallet der Plattform.

Die Bezeichnung „Market Making“ beantwortet die Fragen deshalb nicht. Nötig wäre Transparenz darüber, wer die Konten kontrollierte, zu welchen Bedingungen sie finanziert wurden, welche Anreize bestanden und ob ihr Umsatz in öffentlichen Kennzahlen ohne besondere Kennzeichnung enthalten war.

Was die Untersuchung nicht beweist

Eine öffentliche Blockchain macht Geldflüsse sichtbar, aber nicht immer den rechtlichen Eigentümer jeder Adresse oder interne Vereinbarungen.

Eine gemeinsame Finanzierungsquelle beweist nicht, dass ADI Predictstreet alle Wallets kontrollierte, jede Transaktion fingiert war, Kunden geschädigt wurden oder eine bestimmte Lizenzbedingung verletzt wurde.

Der Glücksspielbeauftragte Gibraltars erklärte Berichten zufolge, eine erste Prüfung habe keinen Verstoß gegen das Verbot des Eigenhandels und keinen Verbraucherschaden ergeben. ADI Predictstreet und FIFA beantworteten die Anfragen der Journalisten laut den Veröffentlichungen nicht.

Korrekt ist daher, von Anzeichen nicht organischer Aktivität und offenen Fragen zur Herkunft des Volumens zu sprechen — nicht von erwiesenem Betrug.

Warum die FIFA-Partnerschaft die Dimension verändert

Auffälliges Volumen auf einer unbekannten Krypto-Plattform wäre eine Branchennachricht geblieben. Hier geht es um den ersten offiziellen FIFA-Partner einer neuen Kategorie.

Die FIFA erklärte, ADI Predictstreet werde im Rahmen ihrer Integritätsregeln arbeiten und verdächtigen Handel in Echtzeit überwachen. Dadurch entstehen Fragen über die Plattform hinaus:

  • Welche Prüfung führte die FIFA vor Vertragsabschluss durch?
  • Wusste sie, wie die Handelskonten finanziert wurden?
  • Wie wurden die versprochenen Schutzmaßnahmen kontrolliert?
  • Trennte die Berichterstattung organische Nutzeraktivität vom Handel verbundener Parteien?
  • Welche Folgen sind vorgesehen, wenn das öffentliche Volumen überwiegend nicht organisch war?

Der Vertrag soll mehr als 150 Millionen Dollar gekostet haben. Ein offizieller Partnerstatus kann einer jungen Plattform Vertrauen verleihen, bevor der Markt sie praktisch geprüft hat.

Konnten Belohnungen das Volumen fördern?

Junge Handelsplätze belohnen häufig Handel, Liquiditätsbereitstellung oder Umsatz, um ein Orderbuch aufzubauen. Hängt die Belohnung vor allem vom Volumen ab, kann wiederholter Handel zwischen kontrollierten oder koordinierten Konten attraktiv werden. Die Gebühren sind dann Kosten der Prämie, während der sichtbare Umsatz ohne vergleichbares Wachstum unabhängiger Liquidität steigt.

Die Untersuchung beweist nicht, dass ein solches Programm die Aktivität von ADI Predictstreet erklärt. Sie zeigt aber, warum Anreizbedingungen veröffentlicht und das daraus entstehende Volumen vom organischen Kundenhandel getrennt werden sollten.

Blockchain-Transparenz funktionierte — aber spät

Das Muster ließ sich erkennen, weil die Transaktionen öffentlich auf der Blockchain lagen. Die Forscher konnten Finanzierungsquellen, Handelsadressen und Gebührenströme ohne Zugriff auf interne Daten verbinden.

On-chain bedeutet jedoch nicht automatisch fair. Es entsteht lediglich eine Spur, die jemand auswerten muss. Wenn verbundene Aktivität monatelang den Großteil des Volumens stellte, bleibt die Frage, warum die angekündigte Überwachung sie nicht früher erklärte.

Echte Transparenz verlangt zusätzlich verständliche Teilnehmerklassen, offengelegte Liquiditätsprogramme, unabhängige Aufsicht und eine zeitnahe Reaktion auf auffällige Kontoverbindungen.

Fazit

Entscheidend ist nicht, ob sich technisch 167 Millionen Dollar Handelsvolumen erzeugen lassen. Die Blockchain zeigt, dass dies möglich ist.

Die eigentliche Frage lautet: Wie viel unabhängiger Markt steckt hinter dieser Zahl?

Wenn 108 Millionen Dollar auf Wallets entfielen, die fast nur miteinander handelten und aus einer verbundenen Quelle finanziert wurden, ist das Gesamtvolumen kein direkter Beleg für Beliebtheit, Liquidität oder Nutzervertrauen.

Die verfügbaren Daten beweisen nicht, dass ADI Predictstreet alle fraglichen Geschäfte absichtlich organisiert hat. Sie verlangen aber eine substanzielle Erklärung von Plattform und FIFA. Sportorganisationen sollten daraus lernen: Ein offizieller Partner erhält einen Teil der Reputation des Sports. Geprüft werden müssen nicht nur Lizenz und Technik, sondern auch die Akteure, die den Markt tatsächlich bilden.

Quellen: WSJ-Untersuchung, wiedergegeben bei Pechanga.net, offizielle FIFA-Ankündigung, Mitteilung zur Lizenzierung in Gibraltar.